Titelbild: Platz für mich? Ja!

Eröffnung Caritas Winternotquartier „Arche Nord“

Das von Caritas und Stadt Salzburg baulich adaptierte Gebäude in der Rudolf-Biebl-Straße wurde mit 16. November als neues Notquartier für rund 35 obdachlose Menschen mit Schwerpunkt ArmutsmigrantInnen eröffnet. Das Haus steht bis 31. März 2015 zur Verfügung. Zur Sicherung der neuen Notunterkunft „Arche Nord“ werden dringend Sach- und Geldspenden sowie freiwillige MitarbeiterInnen für Nacht- und Abenddienste gesucht.

Caritas Direktor Mag. Johannes Dines: „Vor Einbruch des Winters war es jetzt höchste Zeit, ein größeres Notquartier für ArmutsmigrantInnen und bei Bedarf anderen obdachlosen Menschen in der Erzdiözese Salzburg zu finden. Gerade wenn die Temperaturen sinken, ist es lebensgefährlich und unmenschlich, auf der Straße zu leben. Wir hoffen mit dem Notquartier in der Rudolf-Biebl-Straße 28 die größte Not zu lindern und jene, für die es keinen Platz gibt, soweit zu unterstützen, dass sie nicht erfrieren müssen“.

Nach Besichtigung der Baubehörde konnte das ab Mitte Dezember leerstehende Gebäude in der Rudolf-Biebl-Straße 28 für diesen Winter adaptiert werden. Die vier im Hochparterre liegenden Wohnungen wurden zusammengelegt, um so Platz für rund 35 Personen zu schaffen. Der neue Standort verfügt über eine Küche, vier Sanitärräume, Waschmaschine und Trockner, einem Büro für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, ein Nachtdienstzimmer, ein Kleider- und Lebensmittellager im Keller sowie über getrennte Schlafräume für Männer und Frauen. Nächstes Jahr wird das Haus dann im Zuge der Erneuerungen abgerissen, Eigentümer des Hauses sind die Kommunale Liegenschaftsverwaltung von Gswb und Stadt Salzburg.

Caritas Direktor Dines: „Wir wurden von Stadt und Land Salzburg mit der Suche nach einem Dauerquartier für ArmutsmigrantInnen mit bis zu 50 Plätzen beauftragt. Der jetzige Standort ist eine Übergangslösung, um den Menschen vor allem in der kalten Jahreszeit eine Alternative zur Übernachtung im Freien anbieten zu können. Bei Bedarf steht die Arche Nord aber auch obdachlosen Menschen in Salzburg zur Verfügung“.

„Arche Nord“ als neues Notquartier für Frauen und Männer


Mit der „Arche Nord“ verfügt die Caritas, wie im vergangenen Winter in der Landespflegeanstalt Mülln, wieder über ein gemeinsames Quartier für Männer und Frauen. Das bisherige Notquartier „Arche Süd“, das von Mai 2014 bis 16. November täglich bis zu 19 Frauen Platz bot, wird mit Eröffnung des neuen Standortes geschlossen.

Wie in der „Arche Süd“ werden Armutsmigrantinnen und Armutsmigranten in der Rudolf Biebl-Straße 28 bei der Aufnahme registriert, zudem erhalten sie erste Informationen über alle Angelegenheiten, welche ein gutes Miteinander ermöglichen. Die Anzahl der Nächte ist begrenzt, um möglichst vielen obdachlosen Menschen die Möglichkeit zu bieten, wenigstens für einen befristeten Zeitraum einen trockenen Schlafplatz, ein warmes Essen, die Möglichkeit der Körperhygiene und des Wechselns der Kleidung zu haben. Das Winternotquartier ist täglich von 19.00 Uhr abends bis 8.00 Uhr in der Früh geöffnet. Während des Tages ist die Einrichtung geschlossen. Betreut werden die Obdachlosen von hauptamtlichen MitarbeiterInnen der Caritas sowie einem großen Team von Freiwilligen. Unterstützt werden sie bei ihrer Arbeit auch von Dolmetscherinnen.

Schicksale, Lebens- und Familiengeschichten geprägt von Not


Teamkoordinatorin Schwester Birthe Kröncke: „Die Menschen, die als ArmutsmigrantInnen zu uns kommen, erzählen von vom Hochwasser weggerissenen Häusern, von kranken und behinderten Familienmitgliedern, ohne Chance auf Versorgung. Von Hunger und von Kälte. Das ist für mich eine Not, die wir uns in unserem reichen Land gar nicht vorstellen können. Diese Männer und Frauen strahlen für mich trotz aller Not eine echte Würde aus. Es sind Menschen, die die Härte ihres Lebens mit großer innerer Stärke tragen“.

ArmutsmigrantInnen schildern wie folgt ihre Situation:

Lamenzia D.: „Ich bin allein nach Salzburg gekommen. Ich bin schwer krank, musste schon mehrmals operiert werden. In Rumänien bin ich diskriminiert und bekomme keine Arbeit. Das Geld, das ich hier mit Betteln verdiene, brauche ich dringend für meine Kinder zu Hause“.

Fieram V.: „Ich habe meine Wohnung beim Hochwasser verloren, meine Kinder und Enkelkinder schlafen seither im Freien. Ich habe Diabetes und brauche ständig medizinische Betreuung. Zuletzt mussten mir schon mehrere Zehen amputiert werden“.

Winter 2013/2014: Insgesamt 2.440 Nächte in Sicherheit


Im Caritas Winternotquartier mit Schwerpunkt EU-BürgerInnen aus osteuropäischen Ländern in der ehemaligen Landespflegeanstalt Mülln sowie zuvor in der „Arche Süd“ fanden von November 2013 bis März 2014 Nacht für Nacht zehn Männer und 15 Frauen einen sicheren Schlafplatz sowie Basisversorgung, bestehend aus einer warmen Mahlzeit, der Möglichkeit zur Körperhygiene und des Kleiderwechsels. Damit verbrachten obdachlose Menschen und schwerpunktmäßig ArmutsmigrantInnen insgesamt 2.440 Nächte – Männer 1.421 und Frauen 1.019 Nächte - in Sicherheit. Rund 50 freiwillige MitarbeiterInnen unterstützten die Caritas, z.B. beim Zubereiten der Mahlzeiten sowie bei den Nachtdiensten. Zusätzlich stellten zahlreiche Salzburger Unternehmen und Privatpersonen Geld- und Sachspenden für das Winternotquartier zur Verfügung.

Ganzjährige Caritas Notschlafstellen mit insgesamt 25 Plätzen


Neben dem Winternotquartier stellt die Caritas Salzburg ganzjährig weitere 15 Schlafplätze für Erwachsene in der Notschlafstelle, Hellbrunnerstraße 13b und zehn Schlafplätze für Jugendliche im Exit 7, Siezenheimerstraße 7 in der Stadt Salzburg zur Verfügung.

In Zell am See stehen zudem im Winter weitere Plätze für obdachlose Menschen bereit. Darüber hinaus finden obdach- und wohnungslose Menschen auch im Bahnhofsozialdienst sowie in der Wohnintegration Rat und Unterstützung, wenn sich niemand mehr zuständig fühlt.

Spenden und freiwillige MitarbeiterInnen für Abend- und Nachtdienste gesucht


Die Caritas Salzburg sucht noch dringend freiwillige MitarbeiterInnen für die „Arche Nord“, die einen Abend- oder Nachtdienst übernehmen möchten. Zudem wird dringend finanzielle Unterstützung zum Kauf von haltbaren Lebensmitteln und Hygieneartikeln wie Duschgel und Shampoo benötigt. Auch Sachspenden, vor allem Socken, neuwertige Unterwäsche und warme Bekleidung und Schuhe sind willkommen. Winterschlafsäcke und Isomatten sind besonders gefragt und werden an jene Personen ausgegeben, welche aus Platzmangel abgewiesen werden müssen. „Gerne nehmen wir auch das Angebot von Gastronomiebetrieben oder Organisationen mit Großküchen an, uns für den einen oder anderen Tag mit Essen zu versorgen und für uns mitzukochen. Ich bitte die Salzburgerinnen und Salzburger dieses Projekt zu unterstützen, damit die Menschen in der kalten Jahreszeit nicht Gefahr laufen, auf der Straße zu erfrieren“, so Caritas Direktor Johannes Dines.

Sachspenden können tagsüber während der Öffnungszeiten in den Caritas Läden in der Stadt Salzburg unter dem Kennwort „Arche Nord“ und am Abend, ab 19.00 Uhr direkt in der „Arche Nord“ abgegeben werden.

Freiwillige, die sich für das Notquartier „Arche Nord“, speziell für Abend- und Nachtdienste engagieren möchten, können sich bei der Teamkoordinatorin Schwester Birthe Kröncke, per E-Mail unter winter.nost@caritas-salzburg.at oder unter der Handy-Nr. 0676/848210-338 melden.

Spendenkonto Caritas:
Raiffeisenverband Salzburg
IBAN AT11 3500 0000 0004 1533, BIC RVSAAT2S
Kennwort: Notquartier Salzburg

oder

Kennwort: Obdachlose Menschen (Unterstützung der ganzjährigen Caritas Leistungen für wohnungslose Menschen in Salzburg & Tiroler Unterland).

Foto:
Mit 16. November 2014 steht das neue Winternotquartier der Caritas in der Rudolf-Biebl-Straße 28 35 obdachlosen Menschen als Notunterkunft bis Ende März 2015 zur Verfügung. Im Bild (v.l.n.r.): Bewohnerin Mirella, Dolmetscher Florin Vaida, Teamleiterin Arche Nord Schwester Birthe Kröncke, Bewohnerin Dorina und Caritas Direktor Johannes Dines.
Fotorechte: © Caritas Salzburg / Wild & Team