Titelbild: Platz für mich? Ja!

Pressekonferenz 18.05.2015

Soziale Probleme mit sozialen Maßnahmen lösen

Danke

In den letzten eineinhalb Jahren ist in Salzburg ein großes humanitäres Netzwerk aus der gesellschaftlichen Mitte heraus gewachsen (14 Organisationen tragen die Plattform „Armut hat Platz“). Dieses Netzwerk hat sich zur Aufgabe gemacht, tatkräftig und konkret die soziale Notversorgung bettelnder Menschen in Salzburg sicherzustellen. Dafür möchten wir heute allen engagierten Menschen danken und gleichzeitig bitten, dieses Engagement fortzusetzen. Einige Beispiele sollen das großartige Engagement vieler sichtbar machen:

  • 100 ehrenamtliche HelferInnen in den Caritas-Notschlafquartieren für ArmutsmigrantInnen und obdachlose Menschen
  • Eröffnung des zweiten Caritas Winternotquartiers von 11/2014-4/2015 „Arche Nord“ mit ca. 34 Plätzen
  • Tägliche Essensversorgung durch Organisationen
  • 15 ehrenamtliche Mitarbeiter absolvieren derzeit einen Rumänisch-Sprachkurs
  • Organisation von monatlichen Informationstreffen für bettelnde Menschen
  • Outdoor-Sprachkurse für ArmutsmigrantInnen
  • geplante aufsuchende Sozialarbeit in begrenztem Ausmaß finanziert aus dem Zuschuss eines Fonds
  • mobile medizinische Notversorgung für obdachlose Menschen und ArmutsmigrantInnen durch Virgilbus
  • geplantes ganzjährig geöffnetes Caritas Notquartier für ArmutsmigrantInnen mit 50 Plätzen für Frauen und Männer (mit finanzieller Unterstützung von Stadt und Land Salzburg; Räumlichkeiten dringend gesucht)
  • Bildungsprojekt L.I.F.T. des Diakoniewerks in Rumänien

Verbessertes Klima

Die Plattform Armut hat Platz setzt sich für einen würdevollen Umgang mit bettelnden Menschen in unserer Stadt ein. Das Klima gegenüber bettelnden Menschen in Salzburg hat sich durch viel Bewusstseins- und Aufklärungsarbeit insgesamt verbessert. Auch wenn nun ein sektorales Bettelverbot beschlossen werden soll und auch wenn sich viele Menschen mit der Präsenz bettelnder Menschen unverändert schwer tun. Viele Menschen haben Informationsveranstaltungen zum Thema besucht, interessieren sich für die Hintergründe und Zusammenhänge des südosteuropäischen Armutsproblems, das hinter unserer „Betteldiskussion“ steht. Es gibt heute tragfähige Gesprächsachsen zwischen NGOs, Behördenvertretern, Politik und Exekutive, um u.a. in besonders schwierigen menschlichen Notsituationen gemeinsam nach unbürokratischen Lösungen zu suchen. Auch dafür möchten wir uns heute bei allen Partnern bedanken.


Österreichweite Beachtung:

Der Salzburger Weg mit der Bündelung von Organisationen und engagierten Menschen, die sich für notreisende Menschen einsetzen, findet österreichweit Beachtung und Wertschätzung. Dass 19.000 Maturanten bei der heurigen Deutsch-Zentralmatura mit dem Thema „Betteln“ konfrontiert wurden, ist ein Indikator dafür, dass dieses emotional stark aufgeladene Thema in der reflexiven Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Und dort gehört es auch hin.


Es braucht eine soziale Basisversorgung

  • Die Geschichte lehrt uns eines: Soziale Probleme können nur mit sozialen Maßnahmen nachhaltig gelöst werden.
  • Finanzielle Absicherung Notschlafstelle:
    Stadt und Land haben sich bereit erklärt, den Betrieb einer dauerhaften Notschlafstelle für 50 Plätze finanziell zu unterstützen. Vordringlichstes Anliegen ist nun, dieses Notquartier zu finden.
  • Den Dialog mit bettelnden Menschen suchen: rumänisch-sprachiger Streetworker
    Wir müssen auf jene Menschen, deren Verhalten uns irritiert oder befremdet, zugehen anstatt Mauern aufzuziehen. Daher ist der angekündigte Beschluss der Stadt Salzburg zu begrüßen, künftig eine/n StreetworkerIn zu finanzieren, die/der optimaler Weise rumänisch spricht.

Bettelnde Menschen werden zu unserer Stadt gehören

Für das stille Betteln darf es auch in Zukunft kein (sektorales) Verbot geben. Angesichts der großen Not in den Herkunftsländern werden bettelnde Menschen zu unserem Stadtbild gehören. Unter Federführung der für Sozialpolitik verantwortlichen Personen sind gemeinsam mit Verwaltung, Exekutive und NGOs auf sachlicher Ebene Lösungen und Regelungen zu entwickeln, die ein gutes Miteinander zwischen Salzburger Bevölkerung und den Armutsreisenden ermöglichen. Wir glauben, dass diese intensive, auch konflikthafte Auseinandersetzung über den humanitär angemessenen Umgang mit den Ärmsten der europäischen Gesellschaft insgesamt die humanitäre DNA unserer Stadt stärken wird.