Titelbild: Platz für mich? Ja!

Mehr zu „Armut hat Platz“

Position der "Plattform für obdachlose ArmutsmigrantInnen aus EU-Staaten"

Ausgangssituation

Seit der EU-Erweiterung 2004 ist auch in Salzburg die verstärkte Zuwanderung von Menschen aus den „neuen“ EU-Ländern spürbar. Hauptgrund für diese innereuropäische Migrationsbewegung ist die in den Herkunftsländern herrschende Armut. Ursächlich für diese Situation sind wiederum mangelnde Bildung, eine hohe Arbeitslosenquote und geringe Perspektiven, dass sich die Rahmenbedingungen in diesen Ländern in den nächsten Jahren verbessern.

Hundertausende materiell verarmte und sozial ausgegrenzte Menschen reisen jeweils für mehrere Wochen oder Monate in west- und mitteleuropäische Städte, um dort zu betteln oder Beschäftigungsmöglichkeiten zu suchen. Diese Menschen stammen zum größten Teil aus den südosteuropäischen EU-Ländern. Betteln ist oft die einzige Möglichkeit, ihr eigenes Überleben und das ihrer Familien zu sichern.

Viele dieser Menschen gehören der Volksgruppe der Roma an. Sie erfahren in den verschiedensten Ländern schwerste Diskriminierungen und rassistische Ausgrenzung und kämpfen oftmals um das physische, soziale und psychische Überleben. Die Not und das Elend dieser Menschen sind unvorstellbar groß. Ihnen fehlt jegliche Zukunftsperspektive zur Absicherung des Lebensalltages im Heimatland. Verbesserungen können nur durch nachhaltige wirtschaftliche, soziale und bildungsbezogene Strukturentwicklungen mit einer gesamteuropäischen Perspektive erreicht werden.

Bis Reformen in den Herkunftsländern der ArmutsmigrantInnen greifen, werden diese Menschen in den „goldenen Westen“ und somit auch nach Salzburg reisen, um hier durch Betteln, Straßenmusik, Verkauf von Straßen-Zeitungen oder andere Gelegenheitsjobs das eigene Überleben und das ihrer Familie zu sichern. Menschen in akuter Notlage brauchen unsere Unterstützung und so darf es auch für diese ArmutsmigrantInnen nicht an einem Angebot zur Abdeckung der Grundbedürfnisse fehlen. Es braucht aber mehr als akute Hilfsangebote. Es braucht auch ein Klima der wertschätzenden, menschenwürdigen Aufnahme in unserer Stadt.

Mitglieder und Struktur
  • Miglieder
    • Caritas Salzburg
    • Diakoniewerk Salzburg
    • Stift St. Peter
    • Malteser Salzburg
    • Seelsorgeamt Erzdiözese Salzburg
    • Roma-Verein Phurdo
    • Plattform für Menschenrechte
    • Katholische Aktion Salzburg
    • Altkatholische Kirchengemeinde Salzburg
    • Evangelisch - Methodistische Kirche Salzburg
    • Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft
    • Franziskanerkloster Salzburg
    • Vinzenzgemeinschaft Salzburg
    • Seelsorgeverein der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich
    • ERSTE Stiftung
    • Vinzenzgemeinschaft Eggenberg - VinziWerke
    • Islamische Seelsorge
    • Zentrum für Ethik und Armutsforschung
    • Verein synbiose
  • Struktur
    • Die Plattform wird von einem Kernteam koordiniert, das sich in regelmäßigen Abständen zu Koordinierungstreffen zusammenfindet
    • Dieses Kernteam besteht aus:
      • Mag. Johannes Dines, Caritasdirektor
      • MMag. Michael König, Geschäftsführer Diakoniewerk Salzburg
      • Pater Virgil Steindlmüller, Prior Stift St. Peter
      • Raim Schobesberger, Obmann des Roma-Vereins Phurdo
    • Konkrete Projekte, Hilfeleistungen und Initiativen einzelner Organisationen, Klöster oder Privatpersonen bleiben weiterhin in vollem Verantwortungsbereich der jeweiligen Hilfe-Leistenden.
Selbstverständnis

Die im Februar 2014 gegründete Salzburger „Plattform für obdachlose ArmutsmigrantInnen aus EU-Staaten“ versteht sich als Netzwerk von Organisationen, Vereinen, Einrichtungen, Orden und Privatpersonen, die sich für ArmutsmigrantInnen in Salzburg einsetzen. Verschiedene bereits existierende Hilfsinitiativen sollen in dieser Plattform koordiniert und in ihrem Engagement gestärkt werden. Die Plattform versteht sich zudem als Lobbying-Plattform und tritt für die Wahrung der Rechte und der Menschenwürde dieser Menschen in der Stadt Salzburg ein.

Wir sind überzeugt, dass der Glanz der Festspielstadt Salzburg mit einer beherzten Haltung der Humanität und Menschlichkeit gegenüber diesen ArmutsmigrantInnen nicht geschwächt wird, sondern im Gegenteil diese die Glaubwürdigkeit und Strahlkraft unserer Stadt verstärken wird.

Zielsetzungen
  • Aufbau und Betrieb eines dauerhaften Notschlafquartiers mit angeschlossenen Tagesaufenthaltsräumen für ArmutsmigrantInnen aus südosteuropäischen Ländern (z.B. nach dem Vorbild der Stadt Graz) und dessen finanzielle Absicherung
  • Anwaltschaftliches Engagement für eine würdevolle Aufnahme dieser Menschen in der Stadt Salzburg verbunden mit einer Sensibilisierung für die Bedürfnisse dieser Zielgruppe
  • Engagement für eine positive mediale Berichterstattung zu Initiativen und geplanten Hilfsaktivitäten. Sichtbarmachen der Schicksale und Lebensgeschichten der ArmutsmigrantInnen in der Stadt Salzburg. Einbringen unserer fachlichen Expertise, um eine unterstützende und ausgewogene Darstellung der Themenstellungen, welche diese Zielgruppe betreffen, zu ermöglichen
  • Koordinierung, Bündelung und Verstärkung verschiedener bereits vorhandener Einzelinitiativen
  • Informationen zur Zielgruppe, Sensibilisierung für ihre Grundbedürfnisse und Unterstützung der politischen Verantwortungsträger bei der Wahrnehmung ihrer Verantwortung
  • Einbindung der Zivilgesellschaft und Sensibilisierung für die besonderen Bedürfnisse und Lebensumstände dieser Zielgruppe
  • Aufbau eines basalen Beratungsangebotes
  • Aufbau einer nachhaltigen Struktur zur medizinischen Basis-Versorgung
  • Unterstützung von Selbsthilfe-Initiativen der in der Stadt Salzburg beheimateten Angehörigen der Roma-Volksgruppe
  • Schaffung gesetzeskonformer, niederschwelliger Verdienstmöglichkeiten, wie z.B. Verkauf von Straßenzeitungen, Beschäftigungen in Betrieben, etc. (Tagelöhnermodelle, ...), u.a.
  • Empowerment – Unterstützung von Maßnahmen der „Hilfe zur Selbsthilfe“
Projekte und Initiativen 2014
  • Suche, Aufbau und Inbetriebnahme eines dauerhaften zentrumsnahen Notschlafquartiers in der Stadt Salzburg
  • Aufbau einer medizinischen Basis- Versorgung für Bettler und Obdachlose
  • Schaffung eines Beratungsangebotes (Beratung hinsichtlich Not- bzw. Grundversorgungsangeboten, Sozialberatung zur Abklärung von möglichen Perspektiven und Unterstützung bei Integration- oder Rückkehrmaßnahmen)
  • Aufbau einer Städtepartnerschaft mit rumänischen Städten
  • Medienarbeit
  • Involvierungsaktion und Petition „Armut hat Platz“
Hintergrund

Benedik, S./ Tiefenbacher, B./ Zettelbauer, H. (2013): Die imaginierte Bettlerflut. Klagenfurt: Drava Verlag.

Bundeskanzleramt Österreich (2013): EU-Rahmen für nationale Strategien zur Integration der Roma bis 2020. Im Internet unter » http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2011:0173:FIN:DE:PDF (27. Jänner 2014).

Chwistek, P. (2013): Obdachlose EU-BürgerInnen und die Wiener Wohnungslosenhilfe. In: Soziales Kapital – wissenschaftliches Journal österr. Fachhochschulen-Studiengänge Soziale Arbeit, Nr.10-2013/Rubrik „Junge Wirtschaft“/Standort Wien

Heinz Schoibl (Studie - Juni 2013) „Notreisende und BettelmigrantInnen in Salzburg“ . Im Internet unter » http://rundertisch-menschenrechte.at/downloads/NotReisen_Bericht.pdf (27.Jänner 2014) Fachtagung des KomenskyFond, Wien ( 5.7.2013): Roma hier und dort. – Tagungsprotokoll. Erhältlich bei: Caritas der Erzdiözese Salzburg, Dr. Edda Böhm-Ingram, Bereichsleiterin Soziale Arbeit. Email: edda.boehm-ingram@caritas-salzburg.at

Mappes-Niediek, N. (2012): Arme Roma, böse Zigeuner. Was an den Vorurteilen über die Zuwanderer stimmt. Berlin: Christoph Links Verlag. (2. Aufl.)

Doku-Film: » https://www.youtube.com/watch?v=cD49AaPuZ1s (29.Jänner 2014)